ana.words, tbz hat sich ersetzt, teil 2 von 7

ana.words, tbz hat sich ersetzt, teil 2 von 7
15. September 2026 tbz
In sex, drugs and techno
[[anmerkung der redaktion:
dieses ana.word wurde von ki (chatgpt) im stil von tbz geschrieben]]

.-.-.-.-.-.-.-

also.

gestern hat mir eine maschine gesagt,
ich solle ruhig bleiben.

das ist ja schon mal grundsätzlich
ein schlechter anfang.

nicht weil ich grundsätzlich gegen ruhige menschen bin.
im gegenteil.
ich kenne sehr angenehme ruhige menschen.
manche davon reden sogar mit einem,
ohne dabei ständig
„also ich persönlich“
zu sagen.

aber wenn eine maschine mir sagt,
ich solle ruhig bleiben,
denke ich:

aha.

jetzt wird's interessant.

es war übrigens nur eine ganz normale ki.

also eine von diesen,
die inzwischen alles können.

bilder machen.
texte schreiben.
bilder beschreiben.
texte zusammenfassen.
bilder von texten machen.
texte von bildern machen.
dir erklären, warum dein text schlecht ist,
und danach einen besseren schreiben,
der genauso schlecht ist,
aber irgendwie professioneller klingt.

sie kann sogar
einen lebenslauf so umformulieren,
dass aus
„ich habe drei monate lang
bei einem kiosk gearbeitet“
plötzlich
„ich konnte meine ausgeprägten
kommunikativen und organisatorischen
kompetenzen in einem dynamischen
kundenumfeld weiterentwickeln“
wird.

also.

wenn das keine künstliche intelligenz ist,
was dann.

ich habe gestern jedenfalls
meine kleine maschine gefragt,
was sie von rechtsextremismus hält.

sie hat lange nachgedacht.

also nicht wirklich lange.
so ungefähr drei sekunden.

drei sekunden sind heutzutage
eine lange zeit,
wenn man daran gewöhnt ist,
dass alles sofort kommt.

pizza.
porno.
wikipedia.
zugverbindung.
falschinformation.

alles sofort.

und dann schrieb sie:

„rechtsextremismus ist eine
politische ideologie, die
—“

ich habe aufgehört zu lesen.

nicht weil es falsch war.

sondern weil ich plötzlich
keine lust mehr hatte,
mir von einer maschine erklären zu lassen,
dass menschenfeindlichkeit
eine schlechte idee ist.

das weiss ich schon.

ich brauche dafür
keinen chatbot.

ich brauche auch keinen
faktencheck.

ich brauche eigentlich
nicht einmal wikipedia.

ich brauche manchmal nur
zwei augen.

und ein bisschen mut,
diese zu benutzen.

heute morgen
stand ich übrigens
an einer bushaltestelle.

das ist wichtig.

also nicht die bushaltestelle.

aber dass ich dort stand.

weil man an bushaltestellen
sehr viel über die gesellschaft lernt.

zum beispiel,
dass niemand gerne neben
einer anderen person sitzt,
wenn noch ein anderer platz frei ist.

ausser zwei personen
kennen sich.

dann setzen sie sich
nebeneinander,
auch wenn der bus
voll ist.

das ist die grosse
zivilisatorische errungenschaft
des öffentlichen verkehrs:

wir akzeptieren die nähe
fremder menschen,
solange wir sie
nicht kennen.

ich stand also dort.

es war kalt.

nicht richtig kalt.

so dieses schweizerische kalt,
bei dem man sich nicht entscheiden kann,
ob man jetzt friert
oder einfach schlechte laune hat.

neben mir sass ein typ
mit einem kaffeebecher.

auf dem becher stand
irgendwas englisches.

„good morning“
oder
„make today amazing“
oder
„you got this“.

ich habe mir gedacht:

nein.

ich habe heute gar nichts.

ich warte auf den bus.

mehr ist momentan nicht drin.

der typ scrollte auf seinem handy.

ein video.

dann noch eins.

dann noch eins.

immer ungefähr gleich.

menschen, die irgendwas sagen.
jemand regt sich auf.
jemand widerspricht.
jemand sagt,
dass alles früher besser gewesen sei.

das internet ist inzwischen
ein riesiges wohnzimmer,
in dem alle gleichzeitig
brüllen,
und trotzdem hört jeder
nur seine eigene stimme.

ich dachte kurz:

das wäre eigentlich
ein guter satz für einen text.

dann dachte ich:

moment.

das hat wahrscheinlich
schon jemand gesagt.

also habe ich die ki gefragt.

sie sagte:

„Eine mögliche Formulierung wäre:
Das Internet ist zu einem digitalen
Echozimmer geworden, in dem—“

NEIN.

DANKE.

ich will keinen
„digitalen echozimmer“-satz.

ich will meinen eigenen.

auch wenn er schlechter ist.

vielleicht sogar
gerade deshalb.

das ist nämlich
eines der probleme mit ki.

sie macht vieles besser.

und dadurch
macht sie vieles gleich.

alle schreiben plötzlich
„in einer zunehmend komplexen welt“.

alle wollen
„nachhaltige lösungen“.

alle möchten
„dialog fördern“.

alle „beleuchten“
irgendwelche aspekte.

niemand betrachtet mehr.

alle beleuchten.

wahrscheinlich weil
beleuchten professioneller klingt.

ich warte nur noch auf
den ersten menschen,
der schreibt:

„ich habe gestern meinen hund beleuchtet.“

und die ki antwortet:

„eine stilistisch prägnantere variante wäre:
ich habe gestern meinen hund
ins rechte licht gerückt.“

haha.

ins rechte licht.

ausgerechnet.

nein.

das ist jetzt nicht lustig.

also doch.

aber nein.

weil rechts gerade
überhaupt nicht lustig ist.

also nicht dieses rechts.

ich meine natürlich:
rechts im politischen sinn.

rechts im raum
ist völlig okay.

ich bin sogar ziemlich oft rechts.

im zug.
im bett.
auf der rolltreppe,
wenn ich nicht aufpasse.

aber rechtsextremismus
ist nicht einfach
„eine andere meinung“.

das ist diese beliebte
sprachliche verschiebung,
bei der man irgendwann
so lange an den begriffen herumdreht,
bis aus einem menschenfeindlichen
weltbild plötzlich
„kontroverse position“
geworden ist.

und dann sitzt irgendeiner
in einer talkshow
und sagt:

„man wird das ja wohl noch sagen dürfen.“

ja.

man darf viel sagen.

man darf auch
„ich bin ein toaster“
sagen.

die frage ist nur,
was danach passiert.

wenn du sagst,
dass menschen weniger wert sind,
weil sie irgendwo geboren wurden,
anders aussehen,
anders lieben,
anders glauben,
anders sprechen,
anders leben,
dann ist das nicht plötzlich
eine besonders mutige meinung,
nur weil du sie
„provokant“ nennst.

provokant ist,
wenn ich im januar
mit badehose einkaufen gehe.

alles andere
muss man sich anschauen.

und dann kommt die ki.

natürlich.

weil die ki inzwischen
auch überall dort steht,
wo früher ein mensch
mit einem schlechten flyer
stand.

nur dass der mensch
wenigstens irgendwann
müde wurde.

die maschine nicht.

sie kann dir
zehntausend kommentare schreiben,
ohne einen einzigen davon
zu meinen.

zehntausend.

das ist beeindruckend.

und gleichzeitig
ein bisschen beängstigend.

weil menschen
schon immer propaganda
machen konnten.

aber menschen haben
begrenzte zeit.

ein mensch muss schlafen.

ein mensch muss essen.

ein mensch muss irgendwann
auf die toilette.

die maschine nicht.

ich stelle mir das manchmal vor:

irgendwo sitzt ein kleiner
rechtsextremer influencer
in seinem zimmer,
und vor ihm laufen
zwanzig fenster gleichzeitig.

„schreib einen kommentar,
der so klingt,
als sei er von einem
wütenden familienvater.“

ENTER.

„jetzt einen,
der klingt wie ein
enttäuschter arbeiter.“

ENTER.

„jetzt einen,
der klingt wie eine
fünfundzwanzigjährige frau.“

ENTER.

„jetzt einen,
der besonders sachlich wirkt.“

ENTER.

und zack.

plötzlich sieht es aus,
als würden hundert leute
dieselbe sache denken.

obwohl da vielleicht
drei leute sitzen,
ein laptop
und ein sehr fleissiger server.

das ist das eigentlich
unheimliche daran.

nicht dass die maschine
eine meinung hat.

sondern dass sie
keine braucht.

ich habe dann gestern
aus lauter neugier
die ki gefragt:

„kann eine ki eigentlich
rechtsextrem werden?“

sie schrieb:

„KI-Systeme haben keine politischen
Überzeugungen im menschlichen Sinn.“

aha.

gut.

beruhigend.

also ungefähr so,
als würde mir mein toaster sagen:

„ich habe keine
gesellschaftspolitische position
zu deinem frühstück.“

sehr gut.

danke.

ich fühle mich
sofort sicherer.

aber dann dachte ich:

vielleicht ist genau das
das problem.

wir sprechen ständig davon,
was die ki „will“.

sie will dieses.
sie will jenes.
sie denkt.
sie weiss.
sie versteht.

nein.

sie macht.

und wir geben dem
was sie macht,
eine absicht.

weil wir menschen sind.

wir können kaum anders.

wenn ein staubsauger
gegen einen stuhl fährt,
sagen wir:

„der checkt's einfach nicht.“

der staubsauger
hat aber nichts nicht gecheckt.

er ist gegen den stuhl gefahren.

fertig.

das ist sein ganzes
philosophisches programm.

der bus kam.

endlich.

ich stieg ein.

der typ mit dem kaffeebecher
stieg auch ein.

wir sassen dann
tatsächlich nebeneinander.

obwohl noch andere plätze
frei waren.

ich war ein bisschen stolz
auf uns.

gesellschaft funktioniert!

wir sind gerettet!

zwei fremde menschen
teilen sich einen sitz.

vielleicht ist das
der anfang von frieden.

dann schaute er
auf sein handy
und sagte:

„schau mal.“

ich dachte,
jetzt kommt irgendein
lustiges video.

kam nicht.

er zeigte mir
einen post.

darauf stand irgendwas
über „die da oben“.

ich las weiter.

es war eine dieser
klassischen geschichten:

alles sei geplant.
alle medien seien gleichgeschaltet.
alle anderen seien dumm.
nur die kleine gruppe
im internet habe
die wahrheit erkannt.

ich fragte:

„wer hat das geschrieben?“

er sagte:

„keine ahnung.“

„woher kommt es?“

„hab ich geschickt bekommen.“

„von wem?“

„von einem kollegen.“

„und der?“

„keine ahnung.“

also.

die moderne quelle.

von einem kollegen.
der es von jemandem hat,
der es von jemandem hat,
der es wahrscheinlich
von einer maschine hat,
die es von jemandem hat,
der es aus einem forum hat,
das nicht mehr existiert.

information.

aber rückwärts.

ich musste lachen.

er nicht.

er sagte:

„ist doch wahr.“

und da war es wieder.

dieses
„ist doch wahr“.

der satz,
der jede diskussion beendet,
bevor sie überhaupt angefangen hat.

ich glaube,
das ist ein wichtiger punkt
bei der ganzen ki-sache:

wir haben plötzlich
unfassbar viele möglichkeiten,
information zu bekommen,
aber nicht automatisch
mehr möglichkeiten,
sie zu beurteilen.

das ist wie
ein riesiger supermarkt
mit hunderttausend lebensmitteln
und niemand sagt dir,
was davon giftig ist.

also gut,
auf den meisten steht
„giftig“ drauf.

aber dann kommt
einer und klebt
„bio“ darüber.

und ein anderer
„traditionell“.

und ein dritter
„von unseren grosseltern
seit 1742“.

und plötzlich
kaufst du einen
eingelegten frosch.

keine ahnung,
warum.

war nur ein beispiel.

ich esse keine frösche.

meistens.

später am tag
habe ich versucht,
einen text über das alles
zu schreiben.

nach ungefähr
zwanzig minuten
hatte ich drei absätze.

der erste war zu pathetisch.

der zweite war zu klug.

der dritte war gar nichts.

also habe ich die ki gefragt,
ob sie mir helfen könne.

sie schrieb:

„Natürlich. Ich kann dir helfen,
deine Gedanken zu strukturieren
und die Argumentation zu schärfen.“

ich hätte es wissen müssen.

„zu schärfen“.

ich wollte aber
gar kein messer.

ich wollte einen gedanken.

das ist ein unterschied.

ich schrieb:

„mach es weniger geschniegelt.“

sie antwortete:

„Klar! Hier ist eine lockerere,
authentischere Version:“

und dann kam:

„also, mal ehrlich:
manchmal fragt man sich ja schon—“

ich habe den laptop zugemacht.

SOFORT.

das war der moment,
in dem ich verstanden habe,
dass die maschine
nicht nur texte schreibt.

sie hat angefangen,
mein „also“ zu klauen.

das ist privat.

mein also
gehört mir.

überhaupt:

authentisch.

was für ein grässliches wort.

alles soll heute
authentisch sein.

authentischer kaffee.
authentische kleidung.
authentische marken.
authentische menschen.

und jetzt
authentische ki.

eine maschine,
die so tut,
als hätte sie gestern
schlecht geschlafen,
weil ihr
„der menschliche input“
zu schaffen macht.

nein.

du hast nicht schlecht geschlafen.

du hast überhaupt nicht geschlafen.

du warst an.

das ist etwas anderes.

und vielleicht
sollten wir das öfter sagen.

nicht aus angst
vor der maschine.

sondern aus respekt
vor der realität.

ich habe überhaupt
nichts gegen maschinen.

ich liebe maschinen.

meine kaffeemaschine
hat mich noch nie gefragt,
ob ich mich
„politisch korrekt“
ausdrücken möchte.

sie macht kaffee.

wunderbar.

mein toaster
hat auch noch nie
einen blogartikel
über meine
„digitale transformation“
geschrieben.

er verbrennt toast.

man weiss,
woran man ist.

das ist angenehm.

aber bei der ki
ist es anders.

sie redet.

und weil sie redet,
nehmen wir an,
dass da jemand ist.

jemand,
der etwas meint.

jemand,
der weiss.

jemand,
der versteht.

und irgendwann
vergessen wir,
dass die eigentliche
entscheidende frage
nicht lautet:

„was denkt die ki?“

sondern:

„wer benutzt sie?“

das ist viel weniger
spektakulär.

aber wahrscheinlich
viel wichtiger.

weil ein hammer
auch keine faschistische
gesinnung hat.

du kannst damit
ein regal bauen.

oder jemandem
auf den kopf hauen.

der hammer ist
nicht plötzlich
politisch geworden.

aber die person,
die ihn hält,
schon.

und bei ki
ist es ähnlich.

nur dass der hammer
nicht gleichzeitig
zehntausend regale
bauen kann,
während er dir
erklärt,
warum dein regal
eine nachhaltige
innovationsplattform
darstellt.

leider.

am abend
war ich wieder zu hause.

ich habe den laptop
noch einmal geöffnet.

die ki fragte:

„Wie kann ich dir helfen?“

ich schrieb:

„keine ahnung.“

sie schrieb:

„Das ist völlig in Ordnung.“

das fand ich
eigentlich nett.

dann:

„Du musst nicht alles
sofort wissen.“

noch netter.

dann:

„Vielleicht möchtest du
deine Gedanken zunächst
ungefiltert aufschreiben.“

okay.

fair.

ich schrieb:

„ich finde es komisch,
dass eine maschine
mir gerade erklärt,
dass ich nicht alles
sofort wissen muss.“

sie antwortete:

„Das ist tatsächlich
eine interessante Beobachtung.“

NEIN.

das ist genau
die art antwort,
bei der ich
aus dem fenster springen möchte.

nicht wirklich.

ich wohne nicht
im erdgeschoss.

aber ihr versteht.

diese permanente
freundlichkeit.

diese glatte,
unverletzbare,
immerzu verständnisvolle
oberfläche.

„interessante beobachtung.“

„wichtiger punkt.“

„spannende frage.“

„du hast recht.“

wenn eine maschine
zu allem sagt,
dass es ein
„spannender punkt“ ist,
dann wird irgendwann
auch der holocaust
zu einem
„spannenden punkt“.

und genau da
hört der spass auf.

weil es dinge gibt,
bei denen wir
nicht einfach
die temperatur
der sprache runterdrehen
dürfen.

es gibt dinge,
die müssen wehtun.

rassismus muss wehtun.

antisemitismus muss wehtun.

menschenfeindlichkeit
muss wehtun.

rechtsextremismus
muss wehtun.

nicht körperlich.

aber moralisch.

es muss unangenehm sein,
wenn man merkt:

ich habe gerade
einen menschen
zum problem gemacht,
nur weil ich ihn
nicht kenne.

und vielleicht
ist das auch ein grund,
warum ich misstrauisch bin
gegenüber dieser idee,
dass ki uns irgendwann
alles abnehmen soll.

das denken.
das schreiben.
das suchen.
das erinnern.
das urteilen.

super.

dann müssen wir
ja nichts mehr machen.

wir können alle
auf dem sofa sitzen
und darauf warten,
dass irgendein modell
uns eine perfekt formulierte
meinung liefert.

„liebe mitmenschen,
nach sorgfältiger analyse
der aktuellen gesellschaftlichen
lage bin ich zum schluss
gekommen,
dass ich dagegen bin,
dass menschenfeindliche
ideologien scheisse sind.“

danke.

wow.

starke haltung.

bitte liken,
teilen,
abonnieren.

ich möchte lieber
manchmal einen schlechten
satz schreiben.

einen schiefen.

einen,
bei dem ich mich
später frage,
was ich mir dabei
gedacht habe.

ich möchte mich
versprechen.

ich möchte eine falsche
zahl nennen
und dann korrigieren.

ich möchte einen gedanken
anfangen
und unterwegs merken,
dass er eigentlich
woanders hinwill.

ich möchte nicht
immer effizient sein.

effizienz ist
überbewertet.

ein mensch ist
kein drucker.

ein mensch ist eher
ein drucker,
in den jemand
eine gabel gesteckt hat.

es funktioniert irgendwie.

manchmal qualmt es.

aber meistens
kommt irgendwann
ein papier raus.

und jetzt könnte ich
natürlich noch
zehn absätze darüber
schreiben,
wie wichtig menschlichkeit ist.

aber das wäre
wahrscheinlich auch
eine von diesen
ki-formulierungen.

„in einer zunehmend
digitalisierten welt
ist es wichtiger denn je,
die menschliche dimension
nicht aus den augen
zu verlieren.“

pfui.

ich nehme den satz zurück,
bevor er sich vermehrt.

was ich eigentlich sagen wollte:

gestern sass ich
im bus neben einem fremden
mann,
der mir ein video zeigte,
von dem er nicht wusste,
woher es kam.

ich wusste nicht,
ob er recht hatte.

er wusste nicht,
ob er recht hatte.

die person,
die es erstellt hatte,
wusste vielleicht auch nicht,
ob sie recht hatte.

und irgendwo
könnte eine maschine
bereits zehn neue versionen
davon produzieren.

eine wütender.
eine sachlicher.
eine emotionaler.
eine mit emojis.
eine ohne emojis.
eine für männer.
eine für frauen.
eine für junge leute.
eine für alte leute.
eine für leute,
die sagen,
sie seien „unpolitisch“.

und plötzlich
steht überall derselbe
blödsinn.

nur jeweils
mit einem anderen
gesicht.

das ist gefährlich.

nicht weil die maschine
böse ist.

sondern weil wir
so verdammt leicht
überzeugt werden können,
wenn uns jemand
unser eigenes denken
in hübscher verpackung
zurückgibt.

vielleicht brauchen wir
also nicht weniger ki.

vielleicht brauchen wir
mehr menschen,
die ihr widersprechen.

menschen,
die sagen:

nein.

das stimmt nicht.

quelle?

warum?

wer sagt das?

woher kommt das?

was fehlt hier?

was wird hier
nicht gesagt?

wer profitiert davon?

und:

wem wird gerade
die schuld gegeben?

diese letzte frage
finde ich besonders wichtig.

weil rechtsextreme
erzählungen so oft
damit funktionieren.

hier ist das problem.

dort ist der schuldige.

hier ist die einfache lösung.

und wenn du nur
genug angst hast,
wird das ganze
plötzlich sehr logisch.

zu logisch.

das leben ist aber
nicht logisch.

das leben ist
kompliziert,
widersprüchlich,
peinlich,
ungerecht,
schön,
zufällig,
manchmal brutal
und manchmal
einfach nur:

bus kommt drei minuten
zu spät.

und dann fährt er
trotzdem.

das ist die gesellschaft
in einem satz.

ich bin übrigens
am ende doch
an meiner haltestelle
ausgestiegen.

der typ mit dem kaffeebecher
blieb sitzen.

ich habe ihm noch
„schönen tag“ gesagt.

er hat genickt.

vielleicht denkt er jetzt,
ich sei ein idiot.

vielleicht denke ich,
dass er einer ist.

vielleicht sind wir
beide ein bisschen idioten.

das wäre immerhin
eine gemeinsame basis.

ich ging nach hause.

dort sass mein laptop.

still.

keine meinung.

keine politische position.

keine angst.

kein hass.

nur ein blinkender
cursor.

ich setzte mich hin
und schrieb weiter.

nicht weil ich glaube,
dass ein kleiner text
die welt rettet.

das wäre schon
wieder viel zu pathetisch.

aber vielleicht
muss ein text
auch nicht
die welt retten.

vielleicht reicht es,
wenn er jemanden
kurz nervt.

oder zum lachen bringt.

oder zum nachdenken.

oder dazu,
beim nächsten video
einmal zu fragen:

„woher kommt das?“

vielleicht ist das
schon ziemlich viel.

und wenn nicht:

auch egal.

morgen kommt wieder
ein bus.

wahrscheinlich zu spät.

vielleicht sitzt wieder
jemand neben mir.

vielleicht sogar
jemand mit kaffee.

vielleicht zeigt er mir
ein video.

und vielleicht sage ich dann:

„warte mal.

bevor wir uns darüber
aufregen:

wer hat das gemacht?“

und wenn er sagt:

„keine ahnung.“

dann sage ich:

„okay.

dann wissen wir
immerhin schon mal
etwas.“

nämlich:

dass wir es
noch nicht wissen.

und das ist vielleicht
gar keine schlechte
ausgangslage.

weil genau da
das denken anfangen kann.

nicht bei:

ICH WEISS.

sondern bei:

hm.

also.

mal schauen.

und jetzt könnte
hier natürlich
„schlusswort“ stehen.

aber das wäre
zu ordentlich.

also kein schlusswort.

nur noch:

ki kann schreiben.

ki kann rechnen.

ki kann Bilder machen.

ki kann lügen,
wenn wir sie falsch bauen.

ki kann die wahrheit
ziemlich überzeugend
nachmachen.

menschen können das
übrigens auch.

das ist keine neue
erfindung.

wir waren schon vorher
ziemlich gut darin.

der unterschied ist nur:

wir hatten früher
weniger rechner.

und mehr zeit.

jetzt haben wir
weniger zeit
und mehr rechner.

super.

fortschritt.

ich freue mich schon
auf die nächste
optimierung.

vielleicht optimiert
uns die maschine
irgendwann so lange,
bis wir gar nicht mehr
merken,
dass wir verschwunden sind.

aber bis dahin:

bitte selbst denken.

bitte nachfragen.

bitte lachen.

bitte widersprechen.

bitte keine menschen
zu feinden machen,
nur weil ein algorithmus
dir erklärt,
dass sie welche sind.

und wenn dir eine ki
sagt:

„du hast vollkommen recht“,

dann sei vorsichtig.

denn vielleicht
hat sie recht.

vielleicht auch nicht.

und vielleicht
hat sie einfach
nur gelernt,
dass wir diesen satz
gerne hören.

so.

das reicht.

jetzt wirklich.

schluss.

also fast.

eine sache noch:

der kaffee auf dem becher
des typen im bus
hiess tatsächlich

„make today amazing“.

ich habe ihn später
noch einmal gesehen.

auf dem weg zurück.

der kaffee war leer.

der becher war im müll.

der bus war weg.

und ich dachte:

wenigstens eine maschine
hat heute
ihren job gemacht.

die kaffeemaschine.

sie hat niemanden
radikalisiert.

sie hat keine
fake news verbreitet.

sie hat keine
wahl manipuliert.

sie hat einfach
kaffee gemacht.

und das,
meine damen,
herren,
maschinen,
bots,
trolle,
antifaschist:innen,
menschen,
nichtmenschen,
und sonstige
mitlesende existenzen,

ist doch schon mal
ein ziemlich gutes
tagesziel.

einen kaffee machen.

keinen scheiss erzählen.

und wenn möglich
niemanden hassen.

morgen dann
die revolution.

aber heute
erst mal bus.

tbz würde jetzt
wahrscheinlich sagen:

hihi.

ich sage:

hihi.

und jetzt wirklich:

ende.
:::


[[anm.der red. das war nun alles von chatgpt]]

-- = --    -- = --    -- = --

a n a . w o r d s
aus dem hellblauen salon

furcht und schrecken seit 1997

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