ana.words, luxemburgerli1

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28. August 2000 michael
In Allgemein
Bis die Luxemburgerli knapp werden (I)
von Juergmeier, WoZ, 20 Juli 2000

Ich habe einen Traum. Dass Menschen endlich wie Waren
behandelt werden. Natuerlich hatte ich auch schon, natuerlich
habe ich manchmal auch noch einen anderen Traum - dass der
Mensch dem Menschen ein Mensch, dass die Welt dem Menschen
eine Heimat werde.

Aber seit selbst meine alten Freundinnen und Freunde mich
mit mitleidigem Blick mustern und mich fuer ewiggestrig zu
halten begonnen haben, bin ich vorsichtig geworden - ich
will nicht als verstaubter Spinner im Irrenhaus landen, nur
weil ich das taegliche Marktunser nicht bete und an der
Gerechtigkeit als dem Menschenmoeglichen festhalte. Ich habe
gelernt, listig zu werden, das heisst meine Traeume der
Realitaet anzupassen. Deshalb traeume ich jetzt davon, dass
Menschen endlich behandelt werden wie Bananen und
Bankkonten.

Wir leben in seltsamen Zeiten. Vor kurzem, vermutlich im
Hinblick auf das bevorstehende grosse Fluechten und Reisen,
habe ich das Bestellformular fuer "eine Kreditkarte fuer die
ganze Welt" erhalten. "Weltweite Freiheit" verspricht sie
mir - die "Postcard". Und lockt: "Mit der Postcard VISA sind
Sie ueberall gern gesehen."

Die Kriegsvertriebenen aus dem Kosova, die fuer kurze Zeit
als Opfer der Serben galten, bis sie wieder zu den alten
Kosovo-Albanern-raus wurden, haben, offensichtlich, das
Bestellformular nicht rechtzeitig abgeschickt. Deshalb
werden sie ab 1. Juni von freundlichen, aber bestimmten
Beamten nach Hause begleitet. Nur - was ist das fuer eine
Heimat, in die eine oder einer, womoeglich mit Handschellen
und verklebtem Mund, verbracht werden muss?

(Fortsetzung folgt)

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