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ana.machthaberswords
29. Juni 2020

ana.words, sozialisiert regieren

tbz trauert.
um robbie williams.
und um schweden.
beide nicht gestorben, 
but somehow we lost them.
2020 ist ein schweres jahr fuers fantum.

und weil tbz noch ne ganze weile trauern muss
(aber irgendwie doch viel robbie hoeren und schwedisch)
ist sie froh um einsendungen von euch.

anbei etwas eingesandtes von mahal
wozu tbz gerne was kommentieren moechte
aber vielleicht ein anderes mal
mit weniger blutendem herzen.
(dramaqueen? nene, ach was...)


Gelesen in der WOZ → Frauen an der Macht: Mit Sachlichkeit und Mitgefühl 
https://www.woz.ch/-1RPVZWS



FRAUEN AN DER MACHT

Mit Sachlichkeit und Mitgefühl

Was nützt am besten zur Eindämmung des Coronavirus? Darüber gehen die
Meinungen auseinander. Was auf alle Fälle nicht schadet: Frauen an der
Regierungsspitze.

Von Cigdem Akyol

Die Situation sei immer noch unter Kontrolle, tönte vor wenigen Tagen
US-Präsident Donald Trump trotz Coronafällen im Weissen Haus. Sein
brasilianischer Amtskollege Jair Bolsonaro beschwichtigte mehrfach, die
Pandemie sei ein «Grippchen», und Russlands Machthaber Wladimir Putin
glaubt wieder einmal, ausländische Agitation am Werk zu sehen:
Falschmeldungen zur Pandemie in Russland würden Panik säen (vgl. 
https://www.woz.ch/2021/russland/der-autoritaere-staat-denkt-nur-an-sich).

Die Ausreden der lautstarken Männer lassen etwas anderes vermuten:
Regierungen mit Frauen an der Macht kommen deutlich besser durch die
Krise. Von Dänemark bis Norwegen, von Finnland bis Island, von Taiwan
bis Neuseeland: weibliche SpitzenpolitikerInnen haben «ihre» Länder
souverän durch die erste Welle gesteuert. Spätestens mit dem Blick nach
Deutschland mit seinen 83 Millionen EinwohnerInnen wird klar, dass diese
Vermutung nicht nur für Kleinstaaten gilt. Unabhängig von der Grösse des
Landes gibt es durchaus Faktoren, die sich vergleichen lassen. Dazu
zählen die Reaktionsgeschwindigkeit, eine Strategie der
Risikominimierung, empathische Kommunikation  und Pragmatismus.

Entschieden gehandelt

Beispiel Taiwan: Das Land liegt auf der Luftlinie nur 940 Kilometer vom
chinesischen Wuhan entfernt, wo die Pandemie ihren Ursprung hatte. Dass
der Inselstaat vom Virus heftig getroffen werden würde, schien deshalb
naheliegend, doch es kam anders: Noch während Peking öffentlich
bestritt, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, reagierte
Taipeh. Die chinakritische Präsidentin Tsai Ing-wen liess die Grenzen
zum Festland schliessen, ein Trackingsystem wurde eingeführt, die
Produktion von Schutzausrüstung erhöht. Obwohl keine Ausgangssperren
ausgerufen wurden, gab es bisher laut der Johns Hopkins University nur
sieben Todesfälle in der Republik, und das bei rund 24 Millionen
EinwohnerInnen.

Radikal und schnell handelte auch Neuseelands Premierministerin Jacinda
Ardern. Sie vollzog einen scharfen Lockdown, als erst wenige Dutzend
Infektionen auf der Insel nachgewiesen waren. Alle, die nach Neuseeland
zurückreisten, mussten in Quarantäne. Ihre isländische Amtskollegin
Katrin Jakobsdottir wiederum ermöglichte, dass im Inselstaat mit seinen
360 000 EinwohnerInnen grossflächig getestet wurde. Viele andere Länder
führten Tests nur bei Risikogruppen und Menschen mit Symptomen durch.
Auch in Island wurde ein Rückverfolgungssystem eingeführt. In beiden
Ländern sind die Sterberaten vergleichsweise gering  in Neuseeland mit
seinen rund 5 Millionen EinwohnerInnen erlagen bisher 21 Personen und
auf Island 10 der Lungenkrankheit.

Nun wird bereits über eine fünfte Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel
diskutiert.

Haben diese erfolgreichen Strategien tatsächlich damit zu tun, dass
Frauen die Politik bestimmen? Eine durchaus gewagte These, meint Jasmin
Siri, Soziologin an der Universität München, die zu Gender und Politik
forscht. Eine Regierungschefin an der Spitze sei schliesslich nur einer
von vielen Faktoren, wie eine Pandemie oder überhaupt eine Krise
bearbeitet werde. Generell lasse sich ein unterschiedlicher Führungsstil
zwischen Männern und Frauen wissenschaftlich nicht nachweisen. Was sich
aber auf jeden Fall zeige: «Rechtspopulistische Politikangebote, wie sie
von Trump und anderen Männern, manchmal aber auch von Frauen angeboten
werden, stossen an ihre Grenzen, sobald es um Realpolitik wie die
Bewältigung einer Pandemie geht.»

Tatsächlich fällt auf, dass die Verbreitung von Fake News und Populismus
bei den erwähnten Spitzenpolitikerinnen nicht vorkommen. Sie reagierten
ernsthaft und sachlich wie etwa die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel. Ihre ruhige Erklärung der Infektionsrate verbreitete sich viral
 nun wird bereits über eine fünfte Amtszeit der Kanzlerin diskutiert,
die politisch doch längst abgeschrieben war. In ihrer Fernsehansprache
im März betonte die in der DDR aufgewachsene Merkel auch, dass «für
jemanden wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer
erkämpftes Recht waren», Einschränkungen der Grundrechte nur in
absoluten Ausnahmefällen zu rechtfertigen seien.

Pressekonferenzen für Kinder

Wenn sie emotional wurden, dann setzten die Frauen auf Mitgefühl:
Norwegens Regierungschefin Erna Solberg wie auch die dänische
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hielten Onlinepressekonferenzen
für Kinder ab. Solberg beruhigte die Kleinsten, dass es in Ordnung sei,
ängstlich zu sein. Sanna Marin, Premierministerin Finnlands, wandte sich
mit der Bitte an Online-Influencer, Fakten unter ihren FollowerInnen zu
verbreiten  um so auch Falschmeldungen vorzubeugen.

Ob die Welt nach Corona weiblicher werden wird, fragte die «Frankfurter
Rundschau» kürzlich den britischen Historiker Timothy Garton Ash. «Ja!»,
antwortete Ash, der zur europäischen Gegenwartsgeschichte forscht,
bestimmt. «Die politischen Führungen, die in dieser Krise am besten
gefahren sind, waren fast allesamt Frauen. In Deutschland, in
Neuseeland, in Norwegen, in Finnland, in Taiwan. Es ist gewissermassen
die Stunde der Frauen in Führung.» Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch
noch ein paar Männer mehr merken.

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a n a . w o r d s
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Letzte Aktualisierung: 7. Juli 2020, 07: 1 Uhr