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ana.replywords
11. Mai 2020

ana.words, schreibend nichts schreiben koennen

ana.word heute mit viel text.
und als auflockerung zwei bildli. bildli mit text, hihihi!

als j.e. aus l. mailte
hatte tbz persoenlich kurz nachgefragt
wegen den panikattacken 
und ob es wege habe damit umzugehen
und ob jemand da ist zum reden
und wollte auf den rest spaeter reagieren.
aber tbz schafft's nicht
was zu schreiben
denn es wird alles grad viel zu wuetend
(und wo anfangen und wo aufhoeren)
und laeuft irgendwie darauf hinaus
leute zu schuetteln
und zu fragen
was an weltweiter pandemie (drum ja pandemie, hihi)
historischen ausmasses 
einer krankheit
gegen die niemand immun ist und es weder impfung noch passende medizin gibt
genau nicht begriffen wurde.
darum geht es.
und tbz hatte auch nie gedacht
das sei eine sache von paar wochen.
weil das virus ja nicht magisch wieder verschwindet.
(siehe z.b. auch dieses oft geteilte video
von mai thi nguyen-kim von anfang april
https://youtu.be/3z0gnXgK8Do

vielleicht haette tbz unwuetender schreiben koennen
grad als die mail kam
und es um eine einzelne person ging
mit vielen offenen fragen und mit aengsten
und nicht um eine schraege bewegung
doch inzwischen waren am samstag demos in diversen schweizer staedten
und das war grosses kino an 
unsolidarischem mist
von einem buntgemischten haufen an
verschwoerungstheoretikers, impfgegners,
wirren freiheitsrechtlers, esoterikers, rechten.

auf verschiedenen kanaelen gibz auch videos
mit lauter verwirrten aussagen von verwirrten leuten
die aber lustigerweise als einzige die wahrheit erkennen.
selten so gelacht (nicht) wie bei der aussage
"die wahrheit stimmt nicht!"
(fuer die ganz, ganz harten unter euch:
hier gibz o-ton mit vielen falschinformationen
telezueri:
https://tinyurl.com/ybcyffdt
telebaern:
https://tinyurl.com/y7eyk8qk )
und jemand auf social media schrieb dazu:
die deppenbewegung hat die schweiz erreicht.
und tbz fragt sich 
psychologisierend
ob das irgendwas damit zu tun hat
dass man sich vielleicht grad hilflos fuehlt und ohnmaechtig
- und damit umzugehen ist schwierig
und gerne drueber reden
was da hilfreich ist -
und ob das ein versuch ist
die kontrolle "wieder" zu erlangen
(als ob man je kontrolle ueber das wilde leben... hahaha).

um deine frage zu beantworten, j.e. aus l.,
ob man sich trauen wuerde
wenn man wollte:
ich kann die frage nicht beantworten,
denn ich verstehe nicht,
was du nicht verstehst.

doch du haettest ja genug mitstreiters
aber in dem haufen moechte tbz wirklich nicht stecken
und moechte nicht gruppenkuscheln und haendchenhalten
mit idioten und nazis.
weder bewaffnet in den usa
noch in deutschland
https://www.belltower.news/anti-coronavirus-demos-die-neue-querfront-bewegung-radikalisiert-sich-extrem-schnell-98981/
noch in der schweiz
https://www.nau.ch/news/stimmen-der-schweiz/die-achse-der-idioten-65705361


#coronaviruslikesthis

#nichtmeine freiheit


aber eben, 
tbz kann nichts schreiben
da es grad zu wuetend wird
und das geschriebene nicht befriedigen will
und tbz eigentlich nett sein moechte
und zusammen reden
und verstaendnis haben und so.
tbz unterschreibt aber
was poshdirt und eriz schrieben.

und nun wird es lang
denn es gab noch eine auf heute vertagte einsendung von prisca dazu
und nun neu auch noch eine einsendung von silvie.
und die seien hiermit veroeffentlicht.
tbz dankt fuer alle reaktionen!

und morgen something completely different.
vielleicht.

silvie:

"Ich habe keine Angst, meine Meinung öffentlich zu sagen (allenfalls aus Schüchternheit). 
Mein Bedürfnis dazu ist aber auch nur mässig. 
Und so wichtig ist meine Meinung auch wieder nicht.
Ich hätte aber grossen Respekt, in diesen Tagen an eine Demonstration zu gehen.
Und falls auch nur am Rand Rechtsextreme dabei wären, ginge ich auf absolut keinen Fall.

Und trotzdem muss ich nicht alles gut finden, was "läuft“ 
(das sagt auch niemand. Aber es gibt Leute und Kreise, die so tun, als
wäre keine Kritik erlaubt, und sie seien die einzigen, die kritisch
sind. 
Aber ihre wahre Meinung dann irgendwie vertuschen und hauptsächlich ins Netz verlegen).
Soweit zur letzen Frage von J.E. aus L. bezüglich Angst.

Die Einsendung von J.E. aus L hat mich beim Lesen zunehmend irritiert,
und diese Irritation liess bis jetzt nicht nach.
Irgendwie fühlte ich mich manipuliert.
Ich hab mich zunehmend gefragt, ob dieser Text oder ähnliche gezielt verbreitet werden.

Ich bin nicht gegen Grundrechte und sehe trotzdem den Sinn von
einschränkenden Massnahmen (die ja wieder gelockert werden) ein.

Mein Augenöffner, der mich definitiv veranlasste, dieses Mail zu schreiben: 
Anti-Corona-Proteste in Deutschland vom 9. Mai. 
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/hintergrund-widerstand-2020-100.html

DAS macht mir Angst, und ist alles andere als harmlos.
Menschen verschiedenster Couleur kommen zusammen und protestieren für
Grundrechte und Freiheit. 
Und es fühlt sich an wie antidemokratischer, rechtspopulistischer bis
rechtsextremer Missbrauch.
DAS macht mir Angst! (Plus natürlich die Existenz dieses herausfordernden Virus).
Viel viel mehr als die zeitlich begrenzte, möglichst transparent
kommunizierte Einschränkung von Freiheiten.
Was ist Fakt, was ist Fake? Die Verunsicherung, die Ängste, die durchs
Internet befeuert werden, werden nun auch auf die Strasse getragen und
von gefährlichen Strömungen INSTRUMENTALISIERT. 
Zur Unterwanderung der Demokratie und Spaltung der Gesellschaft.
Ja, DAS macht mir Angst. 
Und sich angeblich für Freiheit und Grundrechte einsetzen.

Darum muss alles, was demokratischen Regierungen zu verantwortlichen
Entscheiden in dieser Krise verhilft, gestärkt werden. 
Dazu gehört Meinungsbildung ohne zersetzendes Gift bzw. die Fähigkeit,
dieses Gift zu erkennen. Klare Kommunikation.
Und dazu gehört das Nicht-Verbreiten von Fake, Hass, Aufhetzung, Spaltung, Feindbildern. 
Und ganz simpel: Das Recherchieren von den Quellen eines Beitrages,
bevor etwas in den sozialen Netzwerken verbreitet wird.

Ja, mich erschüttert das Virus auch, UND die Folgen. BEIDES. Wir haben dieses Virus.
Und leider auch Verschwörungstheorien und Verharmlosungen.
Wird dann die Angst kleiner? 
Meine wird kleiner durch möglichst gute und gleichzeitig nicht zu viel
Information. Fakten-Check.

Mich interessiert das Wissen und NichtWissen von Personen, die sich um
die komplexe Analyse einer extrem komplexen Situation mit sehr vielen
DILEMMAS bemühen. 
Wir sind in einem PROZESS, und ich kann gar nicht alles hinterfragen. 

Es gibt ganz viele Menschen, die mitdenken und Einsatz leisten.
Und es gibt ganz viele Fachleute aus verschiedensten Disziplinen, 
die im Dialog analysieren, bewerten, gewichten, neue Erkenntnisse
einbeziehen, all das Unwissen in mehr Wissen umwandeln. 

Und zum Umgang mit Zahlen: Eine klare Angabe der Sterblichkeitsrate kann
niemand angeben, auch das SRF nicht. 
Es gibt nur Annäherungen. Hochrechnungen. Dunkelziffern. 
Verschiedene Interpretationsmöglichkeiten von Zahlen, welche je nach
Land aber auch Phase der Pandemie total unterschiedlich produziert
werden. 
Jede Zahl, jede Statistik kann missbraucht werden, also hoffe ich auf eine gute Quelle.
Ich mag mich nicht als Hobby-Statistikerin betätigen. 
Auch nicht als Hobby-Virologin.
 
Was mir gut tut, sind Diskussionssendungen, welche Raum für
differenzierte Denkweisen, stetes Hinterfragen und Dialog geben.

Es grüsst

Silvie

P.S. Was stand auf deinem Transparent der Aktion Aufruf vom 4. Mai?
P.P.S. Ein Gefühl ist erstmal einfach ein Gefühl und noch kein Beweis
dafür, dass die befürchtete Realität wirklich Realität ist."

.-.-

prisca:

"Liebe(r) J.E. aus L. 

Ich würde nicht mit einem Plakat auf den Bundesplatz gehen, da ich mich
das nicht trauen würde. Ich gehe nicht einmal an Demonstrationen und
kann das nicht - ich würde mir komisch und falsch vorkommen (warum weiss
ich nicht genau, ich müsste einmal viel gründlicher darüber nachdenken).
Wie es mir also in deinem Fall gehen würde, weiss ich leider gar nicht,
da ich von Anfang an wissen würde, dass ich es nicht kann und bestimmt
schon fast beim Gedanken daran Panik hätte und nicht erst kurz vor der
Umsetzung ;-).

Ich verstehe aber deine Gefühle trotzdem gut. Ich mache mir auch Sorgen.
Es scheint, dass, vor allem weltweit betrachtet, die Massnahmen
schreckliche Folgen haben.

Fast die Hälfte aller Arbeitskräfte weltweit sollen in ihrer Existenz
bedroht sein und vor allem Menschen, die von der Hand in den Mund leben,
verlieren den grössten Teil ihres Einkommens. Es ist unvorstellbar, und
ich hoffe... ich weiss auch nicht :-( Dass sie Hilfe bekommen werden
irgendwie.

In manchen Ländern wäre es vielleicht möglich gewesen, denke ich, mit
weniger weit reichenden, weniger einschneidenden oder kürzer dauernden
(Lockdown-)Massnahmen einen Kollaps des Gesundheitssystems trotzdem zu
vermeiden - aber auch eine bessere Vorbereitung auf die Pandemie wäre
dazu wichtig gewesen. An Orten, wie zum Beispiel den USA, wo so vieles
im Argen liegt und die gleichzeitig so heftig vom Virus getroffen
werden, sind beide Varianten - kein Lockdown sowie Lockdown - einfach
nur schrecklich.

Es ist so, dass andere Todesursachen weniger Aufmerksamkeit bekommen und
unglaublich viel weniger bekämpft werden. Ich kann mir vorstellen, dass
der Grund dafür die Angst vor dem Kollaps der Gesundheitssysteme ist,
die Angst, dass Menschen in Spitälern nicht mehr behandelt werden
können, einfach brutal sterben gelassen werden müssen, dass eine
„Triage“ gemacht werden muss usw. Was ja in Italien auch passiert ist.
Das erklärt zumindest die Reaktion der Regierungen im „Westen“ bzw.
„Norden“ zu Beginn der Krise, als die Ansteckungen exponentiell
zunahmen. Für so eine Situation hätte hier niemand die Verantwortung
übernehmen wollen und können. Ich glaube, niemand kann oder würde sagen
und denken, dass „man" diese Situation hätte in Kauf nehmen müssen,
sogar wenn oder falls es unter dem Strich weniger Tod und Leiden gegeben
hätte.

In der NZZ gab es einen Artikel von einem Afrikaexperten, der erklärte,
dass afrikanische Regierungen die Reaktion des Lockdowns aus dem Westen
übernommen hätten, ohne dass dies bei ihnen Sinn gemacht hätte. (Auch in
Indien scheint mir das der Fall zu sein.) Vielleicht sind auch in
unseren Breitengraden getroffene Massnahmen zum Teil mit (gegenseitiger)
Nachahmung zu erklären - denn nicht jedes Land hat die gleichen
Voraussetzungen und Gegebenheiten, Probleme und Risiken...

Ich schätze es extrem, dass wir hier keine Ausgangssperre (gehabt)
haben. Wir konnten im Prinzip immer so viel raus, wie wir wollten, zum
Beispiel um spazieren zu gehen, auch „die Alten“. Es gibt eine
Kontaktbeschränkung, aber keine Kontaktsperre. Es gibt zum einen viele
Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu treten ohne sich zu treffen,
aber auch Treffen sind grundsätzlich noch möglich (ausser für Menschen
in Institutionen 😞). Ich habe mit der Zeit entschieden, ein paar
Menschen wieder zu treffen, die ich in den allerersten Wochen nicht mehr
traf. Weil ich es für sie aus unterschiedlichen Gründen wichtig oder
nötig fand - und auch für mein eigenes Glück und für unsere Kinder
wollte und konnte ich einige (wenige) Kontakte behalten bzw. wieder
aufnehmen. Die meisten von uns hier haben immer noch die Freiheit,
eigene Entscheidungen zu treffen, die uns sinnvoll und gut erscheinen.
Das finde ich ausserordentlich wichtig. Es ist wesentlich für die
(psychische) Gesundheit, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen und
danach handeln zu können. Auch in dieser Krise war und ist das noch
möglich. Es ist sehr eingeschränkt, aber in eingeschränktem Mass noch
möglich. Ich denke, deshalb ist es auch noch möglich, menschlich zu
handeln, und die menschlichen Kontakte müssen nicht vergiftet sein.

Einer meiner Schockmomente kam, als ich erfuhr, dass der Vater einer
Bekannten starb (nach langer Krankheit, nicht wegen Corona), und die
Mutter nicht an die Beerdigung durfte, weil sie im Altersheim
eingesperrt ist, nicht raus darf, nicht einmal für die Beerdigung ihres
Mannes - und natürlich ihre Kinder auch in diesem Moment nicht zu ihr
gehen durften. Das war für mich ein Moment, wo ich das Gefühl hatte, es
sei etwas fundamental falsch, die Menschenwürde sei nicht gewahrt. Ich
finde es tatsächlich schrecklich und unmenschlich und mit dem (kleinen)
Risiko, das die Mutter gehabt hätte, nicht zu begründen und zu
rechtfertigen. Andererseits hatte ich nach einer gewissen Zeit den
Gedanken, dass die Altersheime als Institutionen wahrscheinlich nicht in
der Lage seien anders zu entscheiden. Ich kann mir vorstellen, dass es
extrem schwierig ist eine Institution zu leiten und und solche
Entscheidungen zu treffen und die entsprechende Verantwortung zu
übernehmen, z.B. für das Risiko, dass in einem Altersheim Covid
ausbricht. (Bzw.: es ist die Kantonsregierung, die diese Entscheidungen
trifft.) Ich denke, dass die Angehörigen die Möglichkeit gehabt hätten,
die Frau aus dem Altersheim zu nehmen, an die Beerdigung mitzunehmen und
anschliessend zu sich in Quarantäne zu nehmen - falls sie das gewollt
hätte. Diese Freiheit hätte noch bestanden, sie hätten es tun können.
Genau genommen ist die Frau im Altersheim nicht wirklich eingesperrt.

Ich könnte noch mehr Beispiele anführen, wo ich vielleicht einerseits
einer Institution oder den politisch Verantwortlichen einen Vorwurf
machen könnte - und ich denke, das muss man auch aufarbeiten und im
Nachhinein analysieren und daraus lernen -, wo ich aber gleichzeitig die
Zwänge sehe, denen sie unterworfen sind, und wo ich einfach sehe, dass
es dafür eben einzelne Personen sind, die gewisse (wesentliche)
Freiheiten noch haben und (im Kleinen) Verantwortung übernehmen können.
Einzelne Beispiele  aus dem Schulbereich beschäftigen mich hierzu
gerade.

Trotzdem glaube ich, dass du recht hast, wenn du dir Sorgen um die
Grundrechte machst.  Ich bin zwar sehr froh um das hohe Mass, dass hier
vorhanden ist und hochgehalten wird im Gegensatz zu anderen Regionen der
Welt (Stichwort z.B. auch Handydaten und Contact Tracing). Aber das ist
nicht selbstverständlich, und ich bin dankbar für die Menschen, die sich
dafür einsetzen.

Wie gesagt, ich verstehe deine Angst: Du hättest zwar das Recht gehabt,
bei Einhaltung der Anstandsregeln (Abstandsregeln 🙂) mit dem Plakat auf
den Bundesplatz zu gehen, aber es hätte dich sehr exponiert. Du hast
aber dafür diesen Text geschrieben und an ana.words geschickt. Es ist
also nicht so, dass du dich gar nicht mehr äussern kannst und deine
Meinung nicht mehr mitteilen kannst. Oder? 

Lieber Gruss
Prisca"

.-.-

so, und nun gehen wir alle shoppen
weil wir wieder das recht zu shoppen haben.
und orgien feiern! orgien, orgien, gangbang!
ist doch ein scheissdreck, das bloede virus.
guten start in die woche!

-- = --    -- = --    -- = --     

a n a . w o r d s
aus dem hellblauen salon

words@ana.ch
http://ana.ch/words/
ana.txt seite 444

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Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2020, 27: 1 Uhr